Gestern habe ich überlegt, ob ich in einem zusammenfassenden Blogpost berichten soll, wie es sich in Deutschland lebt nach über 1.5 Jahren. Aber, ich habe noch eine bessere Idee.

Viel spannender zu lesen sind nämlich die einzelnen Geschichten, die man in Deutschland so erlebt.

Starten werde ich an dieser Stelle mit etwas negativem, so habe ich letzten Januar einen „gelben Brief“ erhalten. Das sei ein böser Brief vom Staat, hat mir meine Frau erklärt. Dabei war ich vollkommen unschuldig…

KFZ Versicherung unfallfreie Jahre nach Deutschland mitnehmen: Gescheitert.

Begonnen hat diese leidige Geschichte damit, dass ich für meine neue Fahrzeug Haftpflichtversicherung meine „unfallfreien Jahre“ aus der Schweiz nach Deutschland mitnehmen wollte. Also den Bonus, über wie viele Jahre ich unfallfrei Auto gefahren bin. Die Fahrprüfung habe ich seit 2008, es gab tatsächlich einmal einen gemeldeten Schaden 2013 aber die Kosten damals habe ich vollständig selbst übernommen, damit kein Malus entsteht (das waren um die 1800 CHF, ich hatte kein Malusschutz). Damals in der Schweiz war ich bei AXA Winterthur versichert.

Das Problem in Deutschland: Die zuerst angefragte Versicherung Cosmos Direkt stellte sich bockig und antwortete auf meine Versicherungsanfrage, sie würden mein Schreiben zu den Schadensmeldungen von der AXA Wintherthur aus der Schweiz nicht anerkennen, das würden sie nie tun bei zugezogenen Ausländern außerhalb EU und daran gäbe es nichts zu rütteln. Im Umkehrschluss wurde mir eine Versicherung als Neulenker eingestuft angeboten, die selbstverständlich deutlich höher ausfällt als 8 Jahre unfallfrei.

Ich habe damals 2016 die bittere Pille geschluckt, denn ich musste unbedingt eine Fahrzeug Haftpflicht/Teilkasko (KFZ) Versicherung abschließen, die erlaubten sechs Monate mit CH-Nummernschildern herumfahren neigten sich Mitte 2016 dem Ende zu (ehrlich gesagt hatte ich die erlaubten 6 Monate einige Tage überschritten, aber pssscht 😉 ). In Ausblick hatte ich die Möglichkeit, auf Dezember 2016 noch einmal die Versicherung zu wechseln. In Deutschland darf man jeweils auf Ende Jahr ohne Schadensmeldung die KFZ-Versicherung wechseln. Hier kommt jetzt die AXA aus Deutschland ins Spiel.

Versicherung wechseln zu AXA Deutschland: Gescheitert.

Wie der Zufall es wollte, wechselte eine gute Kollegin meiner Frau ihre Arbeitstelle zur AXA Versicherung um dort als Versicherungsfachfrau (oder wie man es nennen möchte) Verträge abzuschließen. Angestellt war sie nicht direkt bei AXA, sondern über ein Subunternehmen das die Verträge für Neukunden abschließt. Das läuft übrigens fast immer so in Deutschland – also über Sub-Unternehmer sich die Arbeit machen lassen bzw. Outsourcen, damit werden die Gehälter der Angestellten erneut nach unten gedrückt und die Arbeitsverträge sind oftmals sogar befristet, sprich, sie werden alle paar Monate kurz vor Ablauf verlängert (oder eben nicht). Gruselig.

Jedenfalls haben wir Sie Anfangs November zu uns nach Hause eingeladen um den Wechsel von Cosmos Direkt zu AXA für die Auto KFZ-Versicherung zu organisieren. Als sie meine Herkunft im System eingetöggelet hat (ich glaube es war SAP), stießen wir natürlich auf das gleiche Problem: Der Vertrag für zugezogene Ausländer bedarf der Prüfung eines Vorgesetzten. Dasselbe für die Unfallfreien Jahre: Man kann sie zwar im System eingeben, verbindlich ist das nicht.

Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass sie diesen Vertrag ohne meine Unterschrift und einer Kopie der Schadensmeldungen von meiner alten Versicherung, AXA Winterthur aus der Schweiz, weitergibt, und wenn die jährliche Endsumme (ich glaube wir lagen bei 500 Euro statt 900€/Jahr) von ihrem Chef akzeptiert würde, bekomme ich nochmal einen Vertrag per Post zugeschickt den ich dann unterschreiben darf.

Was ich im gleichen Aufwisch aber unterschrieben hatte (auf so einem Digital Sign Pad), war eine Privathaftpflicht-Versicherung für mich und meine Frau, denn so eine fehlte uns noch.

Schock und Wut im Januar

Als im Dezember immer noch kein Vertrag in den Briefkasten geflattert kam, haben wir bei der Versicherungsfachfrau nachgefragt. Rückmeldung: Sie hat ihren Job gekündigt. Der ganze Druck, jeden Monat eine Mindestmenge an Verträgen abschließen zu müssen, wurde ihr zu viel (kann ich gut verstehen). Was wurde aus dem Vertrag? Kann sie nicht beantworten.

Ab dem Zeitpunkt wurde es mir dann auch zu blöd: Da ich nicht unterschrieben hatte, ist nichts gültig, von daher fragte ich bei der AXA, bzw. beim Subunternehmen das die Vertäge abschließt, auch nicht nach. Dazu kam, dass die Zeit davonlief um überhaupt noch die alte Versicherung zu kündigen, denn dort habe ich die Prämie für 2017 etwa zur gleichen Zeit bereits bezahlen müssen. Bleibe ich halt bei der Cosmos Direkt, war mein Gedanke. Vielleicht mein grober Fehler, hier nicht weiter nachgehakt zu haben.

Mitte Januar bekam ich endlich Post von der AXA, aber mit einem total unerwarteten Inhalt: „Willkommen bei der AXA, wir freuen uns Sie als neuer KFZ-Versicherter begrüßen zu dürfen. Ihre Konditionen: 900€/Monat (Neulenker)“. WHAT!? Also, erstens kann ich im Januar meine alte Versicherung nicht mehr kündigen und habe damit zwei Versicherungen, zweitens habe ich nie unterschrieben (!!!) und drittens ist das wieder nicht inklusive meinen unfallfreien Jahren sondern als Neulenker.

Also habe ich vom gesetzlichen 14-Tage-Rücktrittsrecht auf solche Verträge gebraucht gemacht und einen Brief an die AXA geschrieben. Begründen muss man so eine Kündigung nicht, ich habe es aber trotzdem getan und kurz relativ nett erklärt, dass ich einen nicht unterschriebenen Vertrag erst im Januar mit Neulenker-Einstufung nicht gebrauchen kann.

Damit aber kam der Rubel, äh, Euro erst so richtig ins Rollen und die bürokratische Maschinerie Deutschlands hat zugeschlagen.

AXA provoziert einen gelben Brief

Soviel habe ich verstanden: Jede Auto KFZ-Versicherung in Deutschland wird mit einer eVB Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung) abgesegnet, eine Zeichenfolge die dem Staat beweist, dass du versichert bist. So eine habe ich schon bei Cosmos Direkt erhalten und damit konnte ich meine Nummernschilder abholen.

Was jetzt aber geschah ist, die AXA hat aller Wahrscheinlichkeit nach meine eVB Nummer bei der Zulassungsstelle überschrieben und durch meine Kündigung daraufhin gelöscht. Noch schlimmer: Das Amt verfügt über keine Historie wo und wann ich versichert war oder bin. Resultat: Plötzlich keine eVB Nummer mehr hinterlegt = nicht versichert, aus der begrenzen Sicht  des deutschen Staates.

Die Zulassungsstelle in Braunschweig verfügt über das übliche System, vermutlich ein alter XML basierter Webservice der sich laut Aussage nur 2x am Tag abgleicht. Dort wurde mein Feld „eVB Nummer“ durch die AXA leergeräumt und damit befand ich mich nun auf eine Liste der „nicht versicherten Fahrzeuglenker“.

Damit war es um mich geschehen, ein gelber Brief mit einer Zwangsstillegung flatterte in meinen Briefkasten. Schon als meine Frau den Umschlag sah stöhnte sie auf, „oh oh Schatz, das ist ein gelber Brief. Was hast du jetzt wieder angestellt!?“ Ja, äh, nichts unerlaubtes!? Aber wie soll ich das erklären…

Gelbe Briefe und der fehlende Einspruch

Die ultimative Höhe (oder eher der Tiefpunkt eines Rechtsstaates) ist der Inhalt des Briefes. Er besagt, „ich müsse innerhalb 3 Werktagen einen Versicherungsnachweis erbringen weil ich nachweislich nicht versichert sei.“  Und weiter: „Ich sei definitiv nicht versichert und weil sich der Staat so sicher darüber sei, ist diese richterliche Androhung schon rechtens und ich dürfe keinen Rechtsvorschlag eingeben.“ Der Beschluss sei so super-definitiv, ich dürfe auch mein Auto ab sofort nicht mehr bewegen, weil diese Zwangsstillegung unumstößlich ist, bis ich „einen Versicherungsnachweis nach Gesetz XYZ“ hinterlegt habe. Gemeint ist, die eVB Nummer erneut hinterlegen zu lassen.

Unglaublich… Man muss sich das vorstellen: Die Versicherung hat aufgrund eines mutwilligen oder fahrlässigen Fehlers die Gewalt dem Versicherten eine auszuwischen. Ich war versichert und ich bin es immer noch, aber weil die AXA meine eVB Nummer einfach so überschrieben und dann gelöscht hat, will die Zulassungsstelle nichts davon wissen. Die haben nicht einmal eine Historie über die früheren bzw. aktuellen Versicherungen. Oder sie könnten anrufen und fragen wo das Problem ist, womit man so ein Fehler ohne TamTam aufklären könnte. Tja, TIG. This Is Germany.

Selbstverständlich brachte auch ein Besuch bei der Zulassungsstelle nichts, versucht habe ich es trotzdem. „Wenn die AXA das so mitteilt müssen wir das glauben, wir können nichts tun“, meinen die Mitarbeiter einstimmig. „Sind sie mit dem Auto gekommen?“, fragte sie keck. Ja natürlich, wie ich schon sagte, ich bin versichert bei Cosmos Direkt. „Das tut nichts zur Sache, sie haben eine Zwangsstillegung erhalten und damit dürfen sie eigentlich mit ihrem Fahrzeug nicht mehr herumfahren.“

Und weiter: „Ah und Herr Schroff, unsere Umtriebskosten die im gelben Brief erwähnt werden müssen sie trotzdem bezahlen. Sie können ja versuchen das Geld bei der AXA wieder einzutreiben.“ Haha, ja, danke.

Daraufhin habe ich noch in den Gemäuern der Zulassungstelle meine Cosmos Direkt Versicherung angerufen und nochmal das Auslösen ihrer eVB Nummer für meine KFZ Versicherung erbeten. Das hat dann wenigstens geklappt und Tags darauf konnte ich telefonisch bei der Zulassungsstelle erfahren, dass ich „jetzt wieder versichert sei“, lol…

Wundert mich irgendwie nicht, wechseln die Deutschen eher selten eine Versicherung. Wenn man damit nur auf Probleme stößt, ist das nicht lustig.

PS: Ich bin vor 14 Tagen Papa geworden *yippie*! 🙂 Dazu später mehr.

  • Axel Birndt

    Hallo David,
    das ist mal wieder typisch Deutsch. Wobei ich bezweifle das es einfacher ist, seine „unfallfreien Jahre“ von Deutschland mit in die Schweiz zu nehmen, oder?
    Konntest du nun die unfallfreien Tage übertragen, bzw. was wäre dafür nun notwendig? Hast du mal eine andere Versicherung ins Auge gefasst, die eine lokale Vertretung hat? ( HUK / Debeka o.ä.?)
    Vg Axel

  • Richard Schunck

    Hi Axel,

    nein leider nicht. Ich bin 2013 als deutscher aus Magdeburg in die Schweiz ausgewandert … genau das gleiche Spiel was die schadensfreien Jahre angeht. Dafür funktioniert das hier mit der Versicherung deutlich unkomplizierter.

    Nur ein kurzes Beispiel: meine Frau und ich haben 2016 in den USA geheiratet. In der Schweiz war unsere Hochzeit innert 1 Werktag eingetragen und steuerlich geltend. Mit dem deutschen System geht das nun seit Dezember letzten Jahres hin und her … mit viel Glück haben wir im Juni dann auch endlich neue Pässe … unsere alten laufen dann nämlich ab ????

    Viele Grüße nach Braunschweig !
    Richard