«Bist du tatsächlich mit dem Auto bis nach Griechenland in Urlaub gefahren?», wurde ich an meinem ersten Arbeitstag nach den Ferien. Aber ja doch, antwortete ich. «Mit einem 1.5 jährigen Kind und Frau, Schwanger im 4. Monat oder?». «Jap!». 

Dieser Reisebericht ist ein Rückblick von September 2018, jetzt Ende 2019 endlich verbloggt. Teil 2 folgt demnächst. Von der dazugehörigen Reiseplanung habe ich bereits berichtet.

Deutschland

«Wie lange hattest du denn von Haustür zu Haustür für die Anreise?». Meine Antworte Antwort erntete fast ausschließlich Kopfschütteln: «3 Tage und ein paar Stunden. Freitag 18 Uhr losfahren, Montag 23 Uhr im Ferienhäuschen auf Kefalonia, Griechenland, angekommen». Den beinahe schockierten Gesichtern entgegenzuwirken fügte ich schnell hinzu: «Der Weg ist auch ein Ziel… 🙂 »

 

Aber natürlich besteht so eine abenteuerliche Reise nicht aus reiner Reisezeit. In der Schweiz haben wir fast 24 Stunden pausiert und meine Eltern sowie Geschwister besucht. Zudem ist die Überfahrt mit der Fähre von Italien (IT) nach Griechenland (GR) im Prinzip eben auch schon Ferien. Reine Fahrzeit mit dem Auto sind es also nur 15h. Generell verlief alles nach Reiseplan, von der Stadt Solothurn CH weiter nach Ancona IT verlief exakt so wie ich mir das im letzten Blogpost zur Reise Vorbereitung vorgestellt hatte.

Aber der Reihe nach. Los ging der Urlaub an Freitag dem 7. September 2018 um 18:00 Uhr denn tagsüber musste ich arbeiten. Koffer, Reisebett, Decken, Kissen, uff, und vieles mehr verladen und schnell noch den Hausschlüssel bei der Schwiegermutter platziert und los ging die Reise. Für unser 1.5 jähriges Kind war diese Abfahrtszeit ganz gut, denn zwischen 20-21 Uhr schläft er sowieso ein. Nachts nach 01 Uhr kamen wir in Solothurn an und haben uns im Besucherzimmer meiner Eltern schlafen gelegt.

Schweiz

Den ganzen Samstag nutzen wir für Familienbesuche. Klein Bobbele durfte mit seinen Cousins spielen, ein Besuch bei Opa im Krankenhaus stand auch noch an. Das Wetter war schon dort toll, Urlaubsfeeling schon vor erreichen des Zielortes 🙂

Im Gotthard Tunnel ist es um 23 Uhr satte 37°. Woau!

Dann, Samstags den 8. September 2018 um 21 Uhr ging es richtig los: Auf und weiter in Richtung Ancona, Italien, eine Hafenstadt unterhalb Rimini und südöstlich von Bologna. Unser Fahrbarer Untersatz ist übrigens ein Opel Astra Sports Tourer Diesel Automatik (130 PS), mein Firmenwagen der für Privatgebrauch mitverwendet werden darf.

Italien

Vor der Abfahrt diskutierte ich mit meinem Bruder darüber, ob in Italien bei 3 spuriger Autobahn nun 150km/h statt 130km/h gefahren werden darf. Einige Webseiten erzählen, bei „entsprechender Beschilderung“ sei in Italien 150km/h erlaubt. Bedeutet das im Umkehrschluss, wenn „nichts“ steht, sind 150km/h erlaubt oder nur wenn explizit ein Schild die 150km/h erwähnt? So ein „150-km/h-Schild“ habe ich nie gesehen. Nun ist die Autobahn E35/A14 bis Ancona gefühlt bis zu 99% auf 3 Spuren ausgebaut. Das war früher nicht so. 130 km/h oder 150km/h ist also eine wesentlicher Unterschied. Bei der Hinfahrt habe ich mich auf 150km/h Tempomat entschieden, das sind in echt 140km/h (10km/h zeigt die Karre zu viel an).

Die Maut-Kosten in Italien sind auch nicht ohne, an 3-4 Zahlstellen von der Schweiz bis Ancona mussten wir insgesamt 39 Euro abdrücken. Bargeld hatte ich überhaupt keines dabei (ein zeitlicher Planungsfehler vor der Abfahrt..). Also habe ich an der Mautstation zuerst mit Bankkarte bezahlt – bis 25 Euro abbuchen geht wohl ohne Pin – und dann, als das Display der letzten Mautstelle meckerte der Betrag sei höher als ohne Pin abbuchbar (ca 26€ und keine Möglichkeit eine Pin einzugeben) zückte ich die Kreditkarte. Meine deutsche Kreditkarte von Barclaycard hat keinen Pin. Hat funktioniert. Puh!

Kurz nach 2 Uhr passierten wir die Stadt Bologna und dort habe ich angehalten um etwas zu schlafen. Naja, „schlafen“. Die Herausforderung war wieder mal unser kleines Kind, das in einem MaxiCosi 2-Way-Pearl direkt hinter meinem Sitz schlief. Mein Sitz runterkurbeln? Fehlanzeige. Meine Frau hatte dann die grandiose Idee, den Kleinen vor ihrem Beifahrersitz auf Decken gebettet in die Kule zwischen Sitz und Amaturenbrett zu legen. Der Kleine war zufrieden und ich konnte meine Sitz nun zur Hälfte runter kurbeln. Cool!

Extra tiefergelegte Kinder-Toilette an einem Rastplatz hinter Bologna, IT. GENIAL!

Natürlich war nicht viel Schlaf drin, schon um 07:15 wurde der Kleine wach. Also sind wir etwas essen gegangen und haben auf der Toilette eine tolle Entdeckung gemacht: Gleich 2 Toiletten für Kinder gibt es im Wickelraum. Wow! In Deutschland sind Baby-Toiletten auf SaniFair-Anlagen nur äußerst selten anzutreffen. Die Italiener machen es also vor, denn so kann man sein Kleinkind/Baby in einer ruhigen Umgebung abhalten (also für Kaka/Pipi über die Toilette hieven). Tut man das in einer normalen Kabine heult der Kleine und verrichtet kein Geschäft weil einfach zu viele Geräusche von anderen Toiletten-Gästen vorhanden sind. Ein Plumps da, ein Wasserhahn dort, eine Schnoddernase hier oder die Lufttrockner, uuuhh die Lufttrockner, das sind die schlimmsten Geräusche überhaupt für den Kleinen.

Inzwischen war Sonntag 09 Uhr, wir fuhren weiter das letzte kleine Stück nach Ancona. Wir wussten, dass die Fähre Hellenic Spirit anstatt 13:30 erst um 17:00 Uhr losfahren sollte, dazu habe ich von Anek Lines 4 Tage vor Abfahrt eine SMS bekommen. Meine Eltern haben uns den Tipp gegeben, vorher nach Sennigallia anzuhalten, das ist ein kleines Dorf 15 Minuten von Ancona entfernt mit einem riesigen Sandstrand. Das haben wir getan und es war toll! Es gab viele Spielmöglichkeiten für Kinder, wenngleich die Hitze für uns kaum zu ertragen war – inzwischen war 13 Uhr und über 30° im Schatten. So machten wir einen Abstecher ins Adriatische Meer in Italien, noch vor dem Erreichen des eigentlichen Urlaubsziel überhaupt. Wie Eingangs gesagt: Der Weg ist ist eben auch das Ziel.

Einer von vielen schönen Spielplätzen direkt am Strand von Sennigallia.

Nach so viel Spaß am Meer war der Kleine fix und fertig und hat bis zur Einfahrt in die Fähre geschlafen. Den Hafen Ancona findet man problemlos, er ist um Welten besser ausgeschildert als der Hafen in Patras, Griechenland, aber dazu komme ich beim Rückreise-Bericht später. Jedenfalls sind wir zu dem Check-In Gebäude in Italien gefahren und ich habe die Tickets alleine abgeholt damit meine Frau beim schlafenden Kind bleiben kann. 3 Ausweise, ein Screenshot der Buchungsbestätigung auf dem Handy und los. Die nette Dame am Schalter hat sofort angefangen Deutsch zu sprechen – nett, auch wenn Englisch kein Problem wäre 😉

Es kam wie es kommen musste, die Fähre von Anek Lines hatte noch einmal Verspätung. Zwar legte die Fähre um 16:00 in Ancona an, aber abgelegt hat sie erst wieder um 18:50 Uhr. Und noch unangenehmer: Hineinfahren durfte nur der Fahrer, meine schwangere Frau musste aussteigen und mit dem kleinen Kind in brütender Hitze hinter einer langen Personen-Schlange anstehen. Das war doof und wäre meine Frau nicht so fitt gewesen hätte ich mich mit dem Matrosen gestritten, denn das ist nicht lustig!

Aber es ging, sie meinte ein paar Italienerinnen hätten unser Kleinkind mit Späßen abgelenkt und so war die „Ansteherei“ erträglich. Letztendlich erreichte ich exakt zeitgleich die Rezeption im Schiff wie auch meine Frau, ca 25 Minuten später.

Griechenland

Nach der Abfahrt war mein iPhone (das ich zur dauerhaften Urlaubskamera gewählt habe) um ein paar Selfies und Bilder vom Hafen reicher. Zwar besitze ich eine Spiegelreflex Kamera Canon 7D aber mit Kind im Urlaub bin ich schon genug schwer vollgepackt, da muss eine brauchbare Handy-Kamera einfach ausreichen. Das Format der Iphone-Bilder ist zwar hässlich da es kein 16:9 ist, aber na egal, die Bilder sind zumindest „so lala“… (Nachtrag 1 Jahr später: Inzwischen würde ich nur noch die Bilder des Google Pixel 3A meiner Frau nehmen – Tausendfach bessere Fotos mit diesem fantastischen Foto-Handy. Beim nächsten Urlaub dann.)

Die Überfahrt nach Patras auf dem Peloponnes war gemütlich und ohne speziellen Vorkommnisse. Die Griechen sind fast genauso Kinderlieb wie die Italiener, unser Kleiner hatte einen Heidenspass mit den Kellnern im Board-Restaurant. Bis auf ein Bälle-Bad mit viel zu wenig Bällen und einem zu kleinen Fernseher gab es leider nichts für Kinder. Schade, da sind die Fähren nach Sardinien der Italiener deutlich besser für Kinder ausgestattet. Trotzdem war das Zeit-Totschlagen kein Problem.

Um 16:00 griechische Zeit (Deutschland/Schweiz +1h) erreichten wir Patras auf dem Peloponnes. Von dort mussten wir zu dem kleineren Fährhafen Kyllini weiterreisen, ungefähr eine Stunde südwestlich über Landstrasse. In Griechenland üblich fährt man zur Hälfte auf dem Pannenstreifen. Die Griechen machen so aus einer einzelnen Fahrspur mit Pannenstreifen zwei Fahrspuren. Aus einer Landstrasse wird also eine Art Autobahn ohne Notfallstreifen. Das versteht auch kein Spurassistent und so musste ich den Spurhalte-Assistenten des Opel Astra’s deaktivieren, er ist in Griechenland unbrauchbar.

In Kyllini hatte die Fähre nach Sami, Kefalonia, ebenso etwas Verspätung, so dass wir den ersten Strand auf dem griechischen Festland aufsuchen konnten (naja, eigentlich gilt der Peloponnes als eine Insel). Denn direkt neben dem Fährhafen Kyllini nach Kefalonia und Zakynthos schmiegt sich ein großer flacher Sandstrand an den Hafen. Toll!

Kyllini Beach direkt neben dem Hafen. Im Hintergrund: Unsere Fähre nach Kefalonia.

Die Weiterreise ist derart unspektakulär, dass ich sie in wenigen Sätzen zusammenfassen kann:

Weiterreise nach Kefalonia mit ca 1h20min Minuten Reisezeit auf der kleinen Fähre, weiterfahren nach Süd-Ost Kefalonia im Dunkeln währen das Kind im Auto schläft. Inzwischen war schon nach 22 Uhr. Im Ziel-Dörfchen Spartia angekommen lotste unser Vermieter Dimitri uns mit seinem Moped – im Dunkeln, es ging gegen Mitternacht zu – direkt zum Ferienhaus. Auspacken, schlafen, sich auf den nächsten sonnigen Morgen freuen :-)!

Weiter zu Rückblick Kefalonia mit dem Auto Teil 2: Folgt demnächst.


Schroeffu

Der Autor ist Schweizer, verheiratet, seit November 2015 zu seiner liebevollen Frau nach Braunschweig, Deutschland, ausgewandert. Als Vater von inzwischen zwei Kindern kommt das Bloggen hoffentlich nicht zu kurz.

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